Der Darm – von einem verkannten Organ

Der Darm – von einem verkannten Organ

Unser Darm – und was er uns sagen kann – wenn wir nur mal hinhören würden!

Viele altbekannte Sprichwörter beziehen sich auf unseren Körper oder einzelne Organe, wenn es sich um Probleme handelt – und das kommt nicht von ungefähr! “Ich habe Schmetterlinge im Bauch” “Das liegt mir schwer im Magen!” “Diese Nachricht muss ich erst einmal verdauen!” Die Liste der Aussagen aufgrund von Stress oder psychischer Belastung, die sich indirekt auf körperliche Funktionen des Darmes beziehen, ist schier unendlich. Dieses Organ ist sehr sensibel und reagiert auf jede Veränderungen unserer Umwelt. Deswegen ist es nicht verwunderlich, das fast jeder Mensch mit Beschwerden des Verdauungstraktes zu kämpfen hat. Von Unverträglichkeiten bestimmter Lebensmittel bis zu chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, von leichten Magenverstimmungen bis zu psychosomatischem Reizdarmsyndrom – Grund dafür sind die Millionen von Nervenzellen, die in ständigem direkten Kontakt zu unserem Gehirn stehen.

Das größte Organ des Menschen

Als das größte Organ des Menschen ist unser Darm rund acht Meter lang, hat eine Oberfläche von circa 200 Quadratmetern und in seiner Schleimhaut sind mehr als 70 Prozent der Abwehrzellen des menschlichen Immunsystems beheimatet, misst aber nur wenige Zentimeter im Durchmesser. Um die Oberfläche und damit auch die Aufnahmefähigkeit zu vergrößern haben sich Millionen von Darmzotten (blattförmige Erhebungen)  im Innern der mehrfach gewundenen Röhre ausgebildet . Mit ihr hat der Darm die größte Kontaktfläche des Körpers mit der Umwelt: etwa 30 Tonnen Nahrung und 50.000 Liter Flüssigkeit reisen im Laufe eines 75-jährigen Lebens durch den Darm, mit ihnen zahllose Krankheitserreger und Giftstoffe.

Der Darm und die “Problemchen”

Unser heutiger schneller Lebenswandel und die meist ungesunde Ernährungsweise setzen unseren Körper unnötig unter Stress und  führen damit zu Störungen im Magen-Darmbereich: Für viele Menschen bedeutet dies ein erhöhtes Risiko für chronische Darmerkrankungen und damit ein steigendes Risiko an Erkrankungen von Begleitorganen (wie Leber, Bauchspeicheldrüse, Schilddrüse). Auch auf den Bewegungsapparat hat der Darm Einfluss, Muskeln und Gelenke, die durch eine gestörte Darmfunktion nicht ausreichend mit allen essentiellen Nährstoffen versorgt werden können die Folge sein. “Nur das Verständnis und die Kenntnis der inneren Zusammenhänge von Darm und produzierten Peptiden mit Beeinflussung sämtlicher Organfunktionen bis zu Herz, Psyche und Knochen lässt eine interdisziplinäre Betreuung möglich sein”, betont Prim. Univ.-Prof. Dr. Heinrich Resch, Leiter der II. Medizinischen Abteilung im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien.

Auch psychische Erkrankungen können durch chronisches “Unwohlsein” und Energielosigkeit entstehen bis hin zu Lethargie und Depressionen. “Psychosoziale Faktoren können bei der Entstehung, Bewältigung oder Aufrechterhaltung von Beschwerden im Magen-Darm-Bereich eine wesentliche Rolle spielen”, weiß Prim. Dr. Peter Weiss, Leiter der III. Medizinischen Abteilung für Innere Medizin und Psychosomatik. Seine Abteilung bietet Betroffenen ein breites Diagnose- und Therapieangebot, das zusätzlich zur körperlichen auch die psychische Komponente einer Erkrankung berücksichtigt.

Immer mehr Menschen leben mit Intoleranzen (z. B. Histamin, Fruktose, Laktose). Ein Alarmsignal unseres Körpers! Ernährungsweisen und  Lebensstiländerungen sind dabei oftmals unumgänglich. Stellt sich nun die Frage, woher sowohl solche Lebensmittelverträglichkeiten, Allergien auf Lebensmittel und äußere Umwelteinflüsse, aber auch die gestiegene Rate psychischer Erkrankungen kommen? Und welchen Einfluss der Darm darauf hat – die Antwort darauf ist noch nicht eindeutig geklärt, dennoch erhärten sich die Vermutungen, dass diese chronischen Darmschwächen auf jahrelange Fehl- oder Mangelernährung trotz unserer heutigen Überfluss-Konsum-Gesellschaft zurückzuführen ist.

Darm mit Charme – Prädikat “lesenswert”

“Übergewicht, Depressionen und Allergien hängen mit einem gestörten Gelichgewicht der Darmflora zusammen. Das heißt umgekehrt: Wenn wir uns in unserem Körper wohlfühlen wollen, länger leben und glücklicher werden wollen, müssen wir unseren Darm pflegen” Klappentextauszug aus “Darm mit Charme” von Giulia Enders, sehr charmant und offen geschrieben und dennoch fachlich sehr fundiert! Aus gutem Grund auf der SPIEGEL-Bestseller-Liste.

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